Foto: K.U.Schroeter, Werne

Sterben

ist ein Übergang aus dieser Welt in die andere.

Die Nacht schluckt jedes schwere Gewicht

und nimmt den Tag aus der Pflicht.

Der Mond steht steil und tut wieder nichts.

Ich schließ die Augen und denk an dich.

 

Ist jemand da, wenn dein Flügel bricht,

der ihn für dich schient, der dich beschützt,

der für dich wacht, dich auf Wolken trägt,

für dich die Sterne zählt, wenn du schläfst?

 

Herbert Grönemeyer

 

Dort und Hier – so heißt eines der ergreifendsten Trauerlieder der deutschen Popmusik. Herbert Grö-nemeyer sang es nach dem Tod seiner Frau Anna. Sie starb am 5. November 1998 an Krebs. Es war eine Schicksalswoche für den Sänger. Wenige Tage vorher traf es seinen Bruder Wilhelm. Vergeblich hatte Herbert Grönemeyer versucht, seinem Bruder mit einer Knochenmarkspende das Leben zu retten. Die persönliche Tragödie brachte den Sänger zum Verstummen. Ganze drei Jahre brauchte er, bis er seine Balance wiedergefunden hatte. Das Album Mensch war durchgängig von seiner Trauer geprägt.

 

„Tod ist eine Farbe, die zu mir gehört…“

 

soll Herbert Grönemeyer vor den Aufnahmen gesagt haben. Ein Satz, den viele mitsprechen können. Tod ist eine Farbe, die zu uns gehört.


Wie ist der Zustand des Bewusstseins nach dem Tod zu beschreiben? Theologisch gefragt: Wo sind die verstorbenen Seelen?

 

Nach christlicher Vorstellung beginnt nach dem physischen Tod das, was Theologen einen Zwischenzustand nennen, eine Übergangszeit zwischen dem vergangenen Leben und der künftigen Auferstehung. Dieser Zwischenzustand mag vielleicht ein wunderbarer Ort sein, es ist aber nicht der letzte Bestimmungsort der Seelen.

Die biblische Tradition erwartet eine neuen Himmel und eine neue Erde, damit verbunden die Annahme eines neuen körperlichen Zustandes.

In der Bibel richtet der Apostel Paulus seine Hoffnungen auf den Erlöser, den er bereits visionär erfahren hatte: Christus. Es dürfte Paulus nicht schwer gefallen sein, zu glauben, dass er Christus im Jenseits begegnen würde. Immerhin hatte er bereits mindestens einen Nachtod-Kontakt mit ihm. Bei seinem Eintritt ins Jenseits, rechnet er mit einer neuen Begegnung. Dabei kommt es Paulus nun nicht auf die eigenen Werke an, sondern auf den Glauben. Glaube ist für Paulus nicht etwa ein dogmatischer Glaubensinhalt. Es bedeutet für ihn die Verschränkung seines Bewusstseins mit dem Bewusstsein Christi, eben eine Beziehung zu Jesus Christus.

 

Die Zugehörigkeit zu Christus beinhaltet für Paulus eine Teilhabe an dem, was Christus zu Lebzeiten und mit seinem Tod am Kreuz bewirkt hatte: Die Vergebung der Sünden. Paulus verlässt sich einzig und allein auf die Tatsache des durch Jesus Christus für die Menschen vollbrachten Heilswerkes am Kreuz von Golgatha.

 

Der Gerechte wird aus Glauben leben.

Römer 1,17

 

Und wie geschieht das? - Durch den Glauben an Christus und die damit verbundene Wiedergeburt, nämlich aus der Kraft des Heiligen Geistes, durch den Christus im Menschen wohnt und wirken kann.

Foto: K.U.Schroeter, Garmisch

Für Christen ist es wichtig zu wissen: Das Leben eines Menschen ist nicht mit dem biologischen Tod zu Ende. Die Seele lebt weiter. Die Seele eines jeden Menschen. Und dazu gehört das Bewusstsein, auch die Individualität, das Besondere eines jeden Menschen.

Jesus lebt

- und wir werden auch leben!

Eines jeden Menschen? Auch von Jesus? Sicherlich in ganz besonderer Weise. Der Geist des Sohnes Gottes ist nicht plötzlich verschwunden. Seine Seele ist nicht einfach weg, als man seinen Körper am Karfreitag von diesem Kreuz nahm. Sein Bewusstsein erfüllt jeden Raum – und dringt doch bis in die Herzen seiner Jünger.

Bis heute.

Und auch die Bibel berichtet in der Geschichte von Christi Himmelfahrt, dass der Körper von Jesus diese Welt dann verlassen hatte, ja auch der zu Ostern so geheimnisvoll reanimierte Körper musste gehen. Leiblich ist Jesus heute nicht mehr unter uns. Aber sein Geist ist so gegenwärtig wie eh und je.

Der Hindu Ramakrishna Paramahamsa (1836–1886) erlebte bei der meditativen Betrachtung einer Ikone der Maria mit dem Jesuskind eine Vision: Er sagt: Jesus Christus sei ihm als Lichtgestalt aus dem Bild heraus erschienen und habe gegen seinen Widerstand von seinem Herzen Besitz ergriffen, so dass er den Kali-Tempel drei Tage lang nicht habe betreten können. Am dritten Tag sei die Lichtgestalt ihm direkt begegnet und habe sich ihm als innere Stimme offenbart:

Dies ist Christus, der das Blut seines Herzens für die Erlösung der Welt vergossen hat, der ein Meer des Leidens durchschritten hat aus Liebe zu den Menschen. Es ist Er, ewig eins mit dem Vater.